Lasst uns ins Herz der Dinge lauschen…

Wir sind ein kleiner Umweltverein mit großen Aufgaben. Klein im Sinne, dass wir Aktive uns alle gut kennen und neue Aktive gut kennenlernen wollen. Unsere Absicht ist es nicht, eine große Organisation mit hunderttausenden von (Förder-)Mitgliedern zu werden. Wir verstehen uns als Ergänzung und Unterstützung zur Arbeit der anderen Vereine und Verbände im Umweltschutz- und Naturschutzbereich. Unsere philosophische Wurzel beruht auf die Beziehung miteinander und das große Beziehungsgeflecht der Erde, das wir sind.

Beziehung setzt aber voraus, sich miteinander Zeit zu nehmen. „Ich habe keine Zeit“ ist wohl eine der meist ausgesprochenen Lügen, die aber zum Mantra unserer Ausbeutungsunkultur geworden ist. Wie wäre es möglich, einen wunderschönen Sonnenaufgang ins Herz zu lassen, ohne sich ganz einfach Zeit dafür zu nehmen. Wir Menschen sind soziale Lebewesen, als Babys, Kleinkinder und Kinder sind wir über Jahre ganz abhängig von Mutter, Vater und anderen liebenden Menschen, die für uns da sind. Wir Menschen sind „Ich bin für Dich da-“ und „Ich brauche Dich“- Lebewesen. Hilfe zu brauchen und zu geben liegt in unserer Menschennatur. Unsere verfremdete Lebensweise bringt uns immer weiter von dieser Natur weg und führt letztlich dazu, dass wir die Natur (unsere eigene und die uns umgebende) immer mehr zerstören, uns gnadenlos von der Natur abschneiden, die unsere Seele so sehr braucht und die sie stark macht. Wer zufrieden dem Gesang der Vögel zuhören kann, der baut keine Straßen durch ein schönes Bachtal und lässt sich von den Angsteinflüsterern nicht vor ihren Zerstörungskarren spannen. Sondern wird zum Mensch, der etwas zu geben hat.

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Die wirklich glücklichen Menschen sind allesamt Menschen, die etwas geben.

 

Dafür muss man erst einmal wissen, was man zu geben hat. Was ist mein Talent? Meine Begabung? Meine Gabe? Meine Natur? Viele alte Kulturen haben die Suche nach Antworten auf diese Fragen kultiviert (z.B. in Visionssuchen), getragen und unterstützt von der Gemeinschaft. Diese tragende Gemeinschaft beruht auf Beziehung miteinander, ein einfaches Interesse miteinander, ein Mit-Fühlen, Mit-Leiden. Dann ist es möglich, den eigenen Platz zu finden und sich nicht zu verausgaben. Verausgabung, weil man glaubt, etwas geben zu müssen, das einem aber nicht gegeben ist.

Wir wissen, dass wir von Wesen umgeben sind, nicht von Dingen. Tiere, Pflanzen, gar Steine – alles lebt. Wir wissen von der Kraft des Beseelten. Wir könnten auch „Kraft der Liebe“ schreiben, aber das Wort „Liebe“ wird leider viel zu oft romantisierend oder verflacht genutzt. Im Lied „One“ von U2 heißt es „Love is a higher law“. Die Liebe ist das höhere Gesetz, dass uns zeigt, was wir zu tun haben – auch wenn es uns nicht passt – wenn wir wirklich lernen wollen, wie das geht: Ein liebevolles Leben leben. Jedes Lebewesen liebt. Die Liebe ist intensiver und offensichtlicher, je mehr ein Lebewesen in Beziehung lebt. Die Liebe einer Säugetiermutter zu ihrem Kind nehmen wir deutlich stärker wahr als die einer „Baummutter“ zu dem aus ihrer Frucht gewachsenen Baum. Eine der Besonderheiten von uns Menschen ist, dass wir die Liebe erkennen können.

Doch zurück zur Kraft des Beseelten. Mit „Beseelt“ meinen wir: Es bringt die Wesen zusammen. Es berührt das Herz. Das kann ein Gebet sein oder tiefe spirituelle Praxis. Da kann ein Lied sein wie John Lennons „Imagine“. Etwas, dass fähig ist, uns Tränen der Berührung in die Augen zu zaubern. Dieser beseelte Ausdruck ist die Medizin, von der wir überzeugt sind, das sie die Menschheit braucht, um den Kräften der egozentrischen Zerstörung – Gleichgültigkeit, Gier, Angst und Hass – überhaupt etwas entgegen setzen zu können. Oder wie Bob Marley singt: „Come we go chant down Babylon – one more time“. One more time und one more time und one more time: Es wird nie so sein, dass wir diesen Kampf für immer gewinnen. Aber wenn wir ihn kämpfen, wenn wir den Kampf tanzen und singen, werden wir vielen und uns viel menschengemachtes Leid ersparen. Der Maßstab müssen diejenigen sein, die arm, schwach, krank, machtlos sein. Wenn wir eines Tages im Moment unseres Todes diesen gegenübertreten, dann möchte ich aus vollem Herzen sagen können: Ich habe getan, was in meiner Macht stand.

Liebe ist nur eine Illusion oder Ausrede, solange sie nicht gelebt wird

und für andere spürbar wird.